Ich werde niemals vergessen, wie ich mich fühlte, als mein Sohn Khaled mich früh am Morgen des 8. Dezember weckte und sagte: „Wach auf, Mama, das Regime ist gefallen.“ Ich umarmte ihn und weinte bitterlich. Ich kann mich nicht erinnern, jemals in meinem ganzen Leben so geweint zu haben, trotz all der Härte und Schmerzen, die ich persönlich ertragen musste – vom Verschwinden meines jüngeren Bruders über die lange Inhaftierung meines Vaters und seine Erkrankung im Gefängnis bis hin zu Verfolgung, Unsicherheit und Bedrohungen. Vielleicht war dieses Weinen der Versuch meiner Seele, all den angesammelten Schmerz und die Qual vieler Jahre freizusetzen.
Ja, ich werde diesen Tag feiern und mir Freude erlauben – sofern ich dazu imstande bin – trotz der Erschöpfung, des Schmerzes und der Wut über das, was in diesem Jahr in Syrien geschehen ist: Massaker, Spaltung und hasserfüllte Rhetorik.
Ich hatte gehofft, dass ich ein Jahr nach dem Sturz des Regimes sicher sein würde, dass wir wirklich auf dem richtigen Weg sind – hin zu Staatsbürgerschaft, Rechtsstaatlichkeit und zivilem Frieden. Ich hatte gehofft, dass das Töten, die Gewalt und die Entführungen von Frauen mit dem Sturz von Assads Regime für immer ein Ende gefunden hätten. Die Form der Gewalt hat sich verändert, aber sie ist nicht verschwunden. In der Küstenregion und in Suweida kommt es weiterhin zu bewaffneten Auseinandersetzungen, während die Zukunft des kurdisch geprägten Nordens politisch ungewiss bleibt.
Bei einem kleinen Abendessen, zu dem der Botschafter eines arabischen Landes einige Akteure der Zivilgesellschaft in Damaskus eingeladen hatte, sagte der Botschafter zu uns: „Bemerken Sie Syrer*innen nicht, dass Ihr ständiges Streben nach Perfektion und Fehlerlosigkeit Sie unfähig macht, Erfolge zu sehen und sie zu genießen? Sehen Sie doch, wie viel Druck Sie auf Ihre Kinder ausüben, damit sie herausragend sind – selbst wenn dieser Druck Sie hart gegenüber ihnen und sich selbst macht.“
„Ja, das stimmt“, antwortete ich. Während er sprach, sprang meine Erinnerung weit zurück in die Kindheit meiner Kinder – zu meiner Strenge mit ihnen und meiner Intoleranz, wenn es um schulische Leistungen ging. Ich war hart zu ihnen – und zu mir selbst. Und selbst heute, viele Jahre später, lassen meine drei Kinder keine Gelegenheit aus, mich damit aufzuziehen, wie streng ich früher war.
Was der Botschafter andeutete, mag wahr sein: Das Streben nach Perfektion kann die vor Ort erzielten Fortschritte verschleiern – oder sie zumindest verschwimmen lassen –, besonders wenn es mit dem kritischen Denken einhergeht, das man nach vielen Jahren der Arbeit in einer Menschenrechtsorganisation wie dem European Center for Constitutional and Human Rights entwickelt.
Ohne Zweifel sind Menschen wie ich aus der Zivilgesellschaft emotional erschöpft. Wir befinden uns in einem ständigen Kreislauf aus wachsender Hoffnung und tiefer Enttäuschung, weil wir das Beste – ja, das Allerbeste – für unser Land wollen. Und natürlich arbeiten wir und werden weiterhin unermüdlich für eine bessere Zukunft Syriens und aller Syrer*innen arbeiten.